Pakistan: Asia Bibi und all die Anderen

2011-12-22

Die auf der Grundlage des Blasphemieparagraphen zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi zeigt erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung

Ihr physischer und psychischer Zustand verschlechtere sich stetig und eine umfassende ärztliche Untersuchung sei dringend notwendig: Dies erklärt der Vorsitzende der Masihi Foundation, Haroon Barkat Masih, im Gespräch mit dem Fidesdienst. Die Stiftung setzt sich für die Rechte von Christen in Pakistan ein und leistet in der Causa Asia Bibi Rechtsbeistand. Bibi befindet sich seit dem 9. Juni 2010 in Haft.

Eine internationale Delegation der Masihi Foundation besuchte Asia Bibi am 19. Dezember 2011 im der Vollzugsanstalt Sheikpura, wo sie sich seit über einem Jahr in Haft befindet. Bei diesem Anlass wollten sich die Mitglieder der Delegation über den Gesundheitszustand der Frau informieren und ihr Glückwünsche zum bevorstehenden Weihnachtsfest übermitteln. Nach einer Verurteilung in erster Instanz wartet Asia Bibi auf einen Berufungsprozess beim Hohen Gericht in Lahore.

Die Situation von Asia Bibi ist dramatisch und weltweit bekannt, sie ist aber kein vereinzeltes Schicksal. Darauf wies im Gespräch mit Radio Vatikan Paul Bhatti hin, der Pakistanische Minister für Harmonie der Gesellschaft.

„Wir bemühen uns darum, dass dies ein Negativbeispiel der Behandlung von Menschen bleibt. Ich muss aber auch sagen, dass es so viele gibt, die unter noch schlimmeren Bedingungen leben als Asia Bibi. Wir brauchen eine Politik, wir brauchen Gesetze, die alle Minderheiten schützen. Sie dürfen nicht Opfer dieser Situation werden. Wir können nicht alle Energie darauf verwenden, Asia Bibi in Freiheit zu bekommen, denn es gibt so viele andere Menschen, die wie sie leben, wenn nicht noch schlechter.“

Bhatti, der selber Christ ist und dessen Bruder ermordet wurde, weil er sich als Minister für Christen eingesetzt hatte, weist auf erste Schritte hin, die auf Regierungsebene unternommen würden, neben lokalen Verordnungen und regionalen Gesetzen sind es vor allem längerfristige Initiativen, auf die er setzt:

„Wir fördern den interreligiösen Dialog und Begegnungen zwischen den Religionen. Daneben arbeiten wir mit vielen Menschen zusammen, um die allem zu Grunde liegenden Probleme zu lösen. Das ist vor allem der Analphabetismus, daneben natürlich auch die Armut, die beide die religiöse Intoleranz fördern. Deswegen bemühen wir uns so gut es geht um Bildung, wir schaffen Komitees für den Dialog und so weiter. So können wir das Problem Stück für Stück bearbeiten.“

Die Regierung reagiert
Aber auch der konkrete Fall Asia Bibi bleibt deswegen nicht unbeachtet. Ein Bericht über den kritischen Zustand von Asia Bibi liegt auch dem pakistanischen Harmonieministerium vor. Wie einheimische Beobachter dem Fidesdienst berichten, will das Ministerium auf den Appell der Masihi Foundation eingehen, die um eine sofortige ärztliche Untersuchung von Asia Bibi bittet. Der Staatsekretär für Harmonie, Akram Gill, der vor einem Monat in Rom dem Papst begegnete, bekräftigt im Gespräch mit dem Fidesdienst:

„Wir haben vom Zustand von Asia Bibi erfahren. In ihrem Fall Hilfe zu leisten ist nun eine humanitäre Angelegenheit. Ich werden mich in einem Schreiben an den Verantwortlichen der Haftanstalt und an den Innenminister wenden, damit ein Ärzteteam zusammen mit Psychologen sich um den körperlichen und geistigen Gesundheitszustand von Asia kümmern und eine angemessene Behandlung auf den Weg bringen können.“

Radio Vaticana

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